„Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. ” – Hebräer 4:12

  
Demut – so wichtig und doch kaum beachtet
Kategorie: Dokumente

Titel: Demut – so wichtig und doch kaum beachtet
Sprecher: Hartwig Henkel
Datum: 00.00.2005
hinzugefügt: 24.09.2010
Sprache(n):
Dateigröße: 32.1 kB
Die ersten Apostel lebten so nahe am Herrn, dass sie Sein Herzensverlangen nicht nur kannten, sondern auch in sich selbst als treibende Kraft erlebten. Der Apostel Petrus schreibt: „Wachset in der Gnade und der Erkenntnis des Herrn!“ Das ist der sehnliche Wunsch des Herrn für Seine Gemeinde. Der Herr hat noch so viele Gnadengeschenke für uns bereit, und Sein Verlangen ist, Seine Gemeinde mit gewaltigen Kräften und himmlischer Weisheit auszustatten. Wir sollen befähigt werden, immer deutlicher das Wesen Christi zu erkennen, um es auch in uns zu haben. Die Welt wartet auf die Manifestation der reifen Söhne und Töchter Christi. Zur Zeit der Naziherrschaft gab es in Deutschland die entsetzliche Parole „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.“ Für diesen Ausdruck höchsten Stolzes, der direkt von Satan stammt, schäme ich mich sehr. Die Welt wird nur gesund durch die Begegnung mit dem Wesen Christi. Die Aufgabe der Gemeinde ist es, dieses wunderbare Wesen Christi, diese unvergleichliche Mischung von Löwe und Lamm, von Herrschaft in Autorität und Gerechtigkeit verbunden mit Demut, Dienerschaft und Leidensbereitschaft für das Gute und Wahre, auszuleben.

Von den Ältesten in der Gemeinde erwartet Paulus (und natürlich mehr noch der Herr), dass sie nicht eigenmächtig seien. (Tit 1,7) Dieses Wort bedeutet „sich selbst gefallend, anmaßend, rücksichtslos, eigensinnig, überheblich“.

Wie viele Probleme entstehen in den Gemeinden und zwischen den Gemeinden, weil Leiter sich diese Fehlhaltungen erlauben! Manchmal fordern Pastoren Gehorsam und Unterordnung, aber sie selbst haben oft trotz offizieller Zugehörigkeit zu einem Bund oder einer Gemeindegruppierung niemand, der in ihr Leben und ihren Dienst hineinschaut und ihnen mit korrigierenden und ermahnenden Worten dient. Aber wer nicht unter geistlicher Autorität steht, kann nach den Ordnungen Gottes auch keine echte, göttliche Autorität ausüben. Wenn ich den christlichen Büchermarkt anschaue fällt mir auf, dass ich im gesamten deutschsprachigen Bücherangebot nur zwei oder drei brauchbare Bücher über Demut finden kann. ( Für gute Literaturhinweise bin ich immer dankbar.)

Gerade wenn der Herr uns segnet und uns beginnt, groß zu machen und unseren Einfluß zu mehren, wächst die Gefahr, dass wir diese göttlichen Segnungen und Bestätigungen uns selbst zuschreiben. So war es auch bei dem König Usija.

Und er machte in Jerusalem kunstvoll erdachte Maschinen, die auf den Türmen und auf den Mauerecken stehen sollten, um mit Pfeilen und mit großen Steinen zu schießen. Und sein Name ging aus bis in die Ferne. Denn wunderbar wurde ihm geholfen, bis er sehr mächtig war. Und als er mächtig geworden war, wurde sein Herz hochmütig, bis er verderblich handelte.
Und er handelte treulos gegen den HERRN, seinen Gott, und drang in den Tempel des HERRN ein, um auf dem Räucheraltar zu räuchern. (2.Chron 26, 15-16)


Der Hochmut im Herzen wächst an, bis er eines Tages in unserem verderblichen Tun offenbar wird. Interessanterweise drückte sich Usijas Treulosigkeit darin aus, dass er fromme Dinge tat. Stolz macht uns blind für unsere vom Herrn gesetzten Grenzen.

Die Antwort auf die Neigung des menschlichen Herzens zu Stolz und Überheblichkeit ist die Demut Christi. Paulus ermahnt uns, dass wir nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht tun, sondern dass in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst; ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen! Habt diese Gesinnung in euch, die
auch in Christus Jesus war, (Phil 2,3-5)

Die Strongs-Konkardanz erklärt den Begriff „Eigennutz“ so:
für Lohn arbeiten, zum eigenen Nutzen arbeiten, [aus unehrlichen Motiven] einer Partei dienen bzw. ihre Gunst suchen,
das Volk bestechen, sich Ämter oder Würden erschleichen Eigennutz ist die Haltung bzw. Einstellung der Selbstsucht, Pl.: Selbstsüchteleien; der Ehrgeiz. (Röm 2:8 2.Ko 12:20 Ga 5:20 Phil 1:17 2:3 Jak 3:14,16)


Und zum Begriff „eitle Ruhmsucht“ liest man:
Der ( Irr)wahn, die hohe Meinung über sich selbst, der Irrtum. die eitle Prahlerei: grundlose Aufgeblasenheit, die Eingebildetheit, die nichtige und leere Ruhmsucht, die (maßlose) Selbstüberschätzung

Unser Herz ist in der Lage, in solche Täuschungen über sich selbst zu fallen und dann andere zu täuschen. Die Erlösung muß deshalb auch bis in diese Bereiche unseres Herzens hinein wirksam werden.

Bevor wir die Demut unseres Herrn als ganz grundlegende und wichtige Eigenschaft nicht erkennen und wertschätzen, werden wir sie auch nicht begehren. Aber was wir nicht begehren, wird der Herr uns nicht schenken. Also beginnt alles damit, dass wir geöffnete Augen bekommen, die Schönheit der Demut Christi zu sehen. Petrus schreibt von der Gnade, die uns gebracht wird in der Offenbarung Jesu Christi!(1.Pe 1,13 b) Und noch einmal lesen wir bei ihm:

Gnade und Friede werde euch immer reichlicher zuteil in der Erkenntnis Gottes und Jesu, unseres Herrn! (2.Pe 1,2)

Die Gnade Gottes, die Kraftzuteilungen, die uns befähigen, in Seinen Wegen zu leben, kommen zu uns durch die Erkenntnis des Herrn. Das ist der Grund, warum die Apostel bei den ersten Christen so großen Wert auf die Erkenntnis Gottes legten. Das tritt besonders stark bei den Gebeten von Paulus und seinen Mitarbeitern für die Gläubigen hervor.

Durch das geschriebene Wort UND durch den Dienst des Heiligen Geistes können wir das Wesen Christi erkennen. Es braucht das Wort, aber dann dazu auch den Dienst des Geistes, der uns offenbart, was man nicht mit dem Verstand und Sinneserfahrungen erfassen kann. (Siehe 1.Kor 2,9-12) Wir können auf Jesus sehen, Ihn betrachten, indem wir die Beschreibungen im Wort Gottes auf uns wirken lassen.

In allem, was Er tat, wollte Jesus den Vater ehren und erfreuen. Er wurde abgelehnt und schließlich verurteilt und gekreuzigt, weil er Gott als Seinen Vater bekannte. Kein Druck der Anklage, kein Schmerz der Verhöhnung und Ablehnung, keine physische Qual konnte Jesus dazu bewegen, Seinen Vater zu verleugnen oder bitter gegenüber Seinen Peinigern zu werden. Die Schönheit dieser Hingabe innerlich wahrzunehmen, wird unser Herz bewegen und in uns den Wunsch entstehen lassen, unserem Herrn in dieser Herzenshaltung immer ähnlicher zu werden. Nur durch das Sehen der Herrlichkeit Christi werden wir verändert. (2.Kor 3,18)

Wenn Christi Demut uns bestimmt, werden wir nicht in Neid und Konkurrenz mit anderen geistlichen Leitern leben und müssen unsere kleinen Werke nicht mit übertriebenen Zahlen größer machen als sie in Wahrheit sind. Wir wollen niemand mehr von unserer Wichtigkeit und Größe überzeugen, weil unser herrlicher Gott uns allein wichtig ist. Wir werden auch die anerkennen und schätzen, die nicht „zu uns“ gehören, die dem Herrn in einem anderen Lager oder Bund oder Beziehungsgeflecht dienen. Manche „großen“Männer Gottes mit regionalem oder nationalem Einfluß meinen oder drücken sogar unverhohlen aus, jeder, der sich ihnen nicht unterstelle, sei ein Rebell. Wahre Demut beansprucht nichts und verurteilt die nicht, die unsere eigene Größe nicht so sehen können oder wollen, wie wir selbst sie sehen. Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen wahren und falschen Aposteln.

Die Demut Christi ist der Schlüssel zu wahrer Einheit und echtem Frieden im Volk Gottes. Die Entwicklungen der letzten wenigen Jahre zeigen, wie sehr uns das Thema der falschen Einheit noch beschäftigen wird. Mein vor sieben Jahren geschriebener Artikel „Die Einheit und das Kreuz“ ist heute aktueller als je zuvor. Ohne Abhängigkeit vom Herrn, die immer
auch kompromisslose Unterordnung unter Seine Wahrheit und Wahrhaftigkeit in unseren Motiven mit einschließt, kann es keine geistliche Einheit geben. Eine Einheit mit einem menschlichen, religiösen Demutsverständnis, das die Wahrheit beiseite schiebt und zusammenbringt, was nicht zusammen gehört, ist niemals ein Werk des Heiligen Geistes, sondern wird großen Schaden im Reich Gottes anrichten.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch werbend hinweisen auf das kleine, aber sehr wichtige Buch „Demut“ von Andrew Murray, das man beim Brunnnen-Verlag erwerben kann.

Ich wünsche Euch von Herzen eine wachsende Nähe zu unserem wunderbaren Gott und viel Kraft und Weisheit im Dienst! Es grüßt Euch herzlich

Euer Hartwig Henkel
Hand in Hand 2005